Talsperrenbruch

Virtuelle Besichtigung

Facebook

Holzspielzeug DETOA Albrechtice s.r.o.

Vorteilskarte

Auf dem Katastergebiet der Gemeinde Albrechtice befindet sich die Stelle der größten Wasserwirtschafts-Katastrophe Mitteleuropas – des Talsperrenbruchs am Fluss Bílá Desná (Weiße Desse). Der Impuls für den Bau der Talsperre waren die vielen Regenfälle und Überschwemmungen, die Nordböhmen heimsuchten. Das Werk, das vor Hochwasserschäden schützen sollte, brachte paradoxerweise mehr Schaden als es Hunderte ähnlicher Überschwemmungen getan hätten – und dies hauptsächlich an Menschenleben.

Die ganze Tragödie spielte sich 10 Monate nach der Bauübernahme ab – am 18. 9. 1916. Den Einwohnern des kleinen Isergebirgs-Städtchens Desná (Dessendorf) brachte sie größere Sorgen als der gerade statt findende Weltkrieg. 62 Einwohner kamen ums Leben, Hunderte verloren ihr Zuhause, mehr als Eintausend ihre Arbeit.

Der Bau, der heute wegen des schlecht gewählten Standorts auf Grund des ungeeigneten Untergrunds gar nicht erst begonnen worden wäre, wurde abgenommen und als geeignet zum Füllen erklärt. Er war nur zu zwei Dritteln gefüllt, als erste Durchsickerungen des Damms erschienen und er innerhalb von unglaublichen 70 Minuten komplett durchbrach. Die Öffnung im Damm vergrößerte sich von den ursprünglichen zwei Zentimetern auf 40 Meter. Einzelheiten sind im weiteren Text beschrieben. Jede Sekunde wälzten sich 150 000 Liter Wasser aus der Talsperre und stürzten durch das Tal nach Desná und Tanvald (Tannwald) und rissen alles mit, was ihnen im Weg stand.

Die Tragödie wurde durch die unglückliche Lage des Dessendorfer Sägewerks, potenziert, dessen aufgestapelte Bretter vom Wasser mitgerissen und als Rammbock gegen den kleinen Ort benutzt wurden. Die Häuser, die inmitten des Tals standen, hatten keine Chance – nicht einmal Steinhäuser mit festem Fundament widerstanden dem Aufprall der Wassermassen. Die großen Gebäude – das Sägewerk, die Glasschleiferei – nahm die Welle zwar nicht auf einmal mit, aber nach und nach zerfielen auch sie unter den Wassermassen. Weitere interessante Informationen sind hier angeführt.

Obwohl Pläne für den Wiederaufbau der Talsperre existierten, wurden sie nie realisiert. Vermutlich, weil die, die die Katastrophe erlebt hatten, nicht fähig waren, mit dieser Bedrohung ruhig zu leben. Zwischen den Weltkriegen wurde der Ort zu einem vielbesuchten Touristenziel, wovon eine Fotografie Krömer baude zeugt, die nach 1945 verschwand. Bis heute sind so nur ein Schieberturm und ein Stollen erhalten, der die gebrochene Talsperre mit ihrem Zwilling, der Souš (Darrentalsperre) verband. Der dunkle und unzugängliche Raum ist ideales Winterquartier für Fledermäuse – heute ist es das größte in Europa.

Fotografien vom Bau>

Ablauf der Katastrophe

  • 15:00 Der Dammmeister kontrolliert zum letzten Man den Damm, dieser ist ganz in Ordnung
  • 15:30 Waldarbeiter bemerken, dass aus dem Damm ein 2 cm breites Rinnsal fließt
  • 15:35 Der Dammmeister telefoniert mit dem Büro der Wassergenossenschaft in Dolní Polubný
  • 15:35 Der Bauverwalter ordnet das Öffnen beider Verschlüsse an, um den Druck zu senken
  • 15:40 Der Dammmeister und die Arbeiter beginnen mit dem Öffnen der Wasserverschlüsse, der Riss wird immer breiter
  • 15:55 Aus der Öffnung spritzen mit dem Wasser auch Sand und Steine, die Arbeiter fliehen aus Angst um ihr Leben, die Verschlüsse konnten nicht ganz geöffnet werden
  • 16:00 In die Gemeinden an der Weißen Desse wird die Nachricht gesendet, dass "einige Zeit mehr Wasser durch das Flussbett fließen wird"
  • 16:15 Die Verkleidung des Damms bricht, in die Gemeinden werden Warnungen geschickt, die Feuerwehrsirenen ertönen
  • 16:40 Der Damm ist gebrochen, die Öffnung misst 18 Meter im Durchmesser, im Stausee sind 260 Millionen Liter Wasser
  • 16:55 Über den Wäldern schwebt eine Staubwolke, das Wasser nähert sich Desná (Dessendorf)
  • 17:00 Das Wasser erreicht Desná, prallt auf das Sägewerk und treibt 5000 Kubikmeter Holz in den Ort
  • Die Welle hat die Höhe eines zweistöckigen Hauses, zerstört Gebäude und alles, was ihr im Weg steht, die Menschen fliehen auf die Talhänge, aber nicht alle schaffen es
  • 17:10 Im unteren Teil von Desná verfangen sich die Balken an einem Viadukt und an der Eisenbahn und bilden einen "Damm", der das Wasser verlangsamt
  • 17:15 Die Talsperre ist leer, sie gab pro Sekunde 150 000 Liter Wasser frei
  • 17:20 Das Wasser erreicht Tanvald, es überflutet nur noch Keller und schwämmt nur Schuppen ohne Fundament weg

Folgen des Durchbruchs

Interessantes

  • Die Feuerwehrsirenen warnten zwar relativ rechtzeitig, aber die 62 Opfer büßten wegen der Tatsache, dass Desná bereits in der Vergangenheit eine Reihe Überschwemmungen erlebt hatte, bei denen Wasserrauschen zu hören war und die Bewohner gewarnt wurden, aber die Überschwemmungen nicht todbringend waren. Viele Leute blieben deshalb vor den Häusern und beobachteten das Flussbett, um Wertsachen und Möbel hinaus tragen zu können. Babys blieben in den Häusern. Die Welle kam dann leider zu schnell.
  • 80 km flussabwärts – in Mladá Boleslav (Jungbunzlau) – hob sich die Wasserlinie der Iser um 20 cm. Dabei fließt die Weiße Desse in die Schwarze Desse, die dann in die Kamenice mündet und erst diese ist dann rechtsseitiger Zufluss der Iser.
  • An der Trauermesse am Sonntag nach der Katastrophe nahm eine riesige Menschenmenge teil. Auf der Strecke von Liberec (Reichenberg) wurden an einem Tag mehr als 6000 Fahrkarten verkauft. Die Messe besuchten auch Touristen aus Wien, Linz, Hamburg und Berlin.
  • Einer der Gründe für den Bau der Talsperre waren durch starke Regengüsse verursachte Überschwemmungen. Der sprichwörtliche letzte Tropfen war der Juli 1897, als in Bedřichov (Friedrichswald, 10 km von Desná) an einem Tag 345 mm Regenwasser fielen, was bis heute gültiger tschechischer Rekord ist. Ungefähr so viel regnet es bei Chomutov (Komutau) im ganzen Jahr!
  • Nach der Katastrophe wurden zur Schadensbeseitigung Arbeitslose einberufen. Ihre Bezahlung war für die Zeit enorm – 3-6 Kronen pro Stunde, das wären heute ca. 250 Kronen.
  • Innerhalb 14 Monaten nach der Katastrophe wurden 601 608 K (heute ca. 30 Millionen CZK) und eine Menge materieller Hilfe gesammelt, dazu versprach die Regierung 250 000 K, und dies alles zu Zeiten, als der erste Weltkrieg tobte.
  • Im Stollen, der die Talsperre mit der ihr ähnlichen Darrentalsperre verband, überwintern Fledermäuse, es handelt sich um das größte Winterquartier in Europa. Es wurden hier 11 Säugetierarten festgestellt, eine Brandt-Fledermaus lebte hier 29 Jahre lang (1980-2009).